Emely, 15 Jahre

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Alles begann an einem Sommertag.

Ich war mit meiner Mutter und meinem Vater im Schwimmbad, alles war toll. Bis abends meine Eltern mit mir reden wollten. Ich ahnte damals nicht, dass dieses Gespräch mein Leben verändern wird.

Mein Papa ergriff das Wort und erklärte mir, dass alles vor 10 Monaten angefangen hatte. Er hatte mit meiner Mom einen Streit und sie wussten, dass sie es an diesem Abend nicht mehr klären konnten. Meine Mutter fragte, ob es eine andere Frau gäbe. Er antwortete mit nein. Dann fragte sie, ob er schwul sei, und er konnte es nicht beantworten.Heute weiß er es: Er ist schwul und das bedeutet, dass sie sich trennen werden.

Im ersten Moment war ich total fertig. Meine Eltern ? Sich trennen ? Das kann nicht sein.Und wie ? Schwul ? Ich dachte mein Papa liebt meine Mama und jetzt plötzlich ein Mann ? Beide versuchten mir zu sagen, dass ich keinen der beiden verlieren werde, dass sie mich lieb hatten, aber ich hörte sie schon gar nicht mehr. Ich konnte nur denken: Wie kann es jetzt weitergehen ? Wie und was soll ich meinen Freundinnen sagen ?

Ich konnte meinem Papa eine ganze Zeit lang nicht in die Augen sehen. Ich weiß nicht warum, aber irgend etwas blockierte mich.Ich habe damals nicht gewusst, wie ich mich verhalten soll und was ich sagen soll. Ich musste nur mit jemandem reden. Am nächsten Tag habe ich es meiner besten Freundin erzählt. Die erste Reaktion war: Na, da kann ich dir jetzt gute Tipps geben. Ich weiß, wie es ist, zwischen den Fronten zu stehen. (Ihre Eltern hatten sich auch getrennt.) Das Schwulsein meines Vaters hat sie im ersten Moment gar nicht interessiert. Wir reden selten darüber, aber sie hat auch kein Problem damit.

Kurze Zeit später sagte es mein Dad dem Rest der Familie. Natürlich waren alle geschockt. Die Eltern meines Vaters konnten es am Anfang gar nicht verstehen. Wie kann er seine Frau und sein Kind „alleine“ lassen ? Sie machten sich Sorgen um mich, nur wirklich gefragt, wie es mir denn eigentlich geht, haben sie auch nie…

Als mein Vater zwei Monate danach auszog, blieb ich bei meiner Mutter wohnen. Sie war in dieser Zeit am Ende. Sie versuchte, für mich da zu sein und mit mir darüber zu reden. Ob ich es verstand, wie mir dabei ging usw. Doch solange sie ihren Schmerz nicht selbst verarbeitet hatte, tat der Versuch, immer für mich da zu sein, mir auch nicht gut. Wir stritten immer öfter. Ich verschloss mich ihr gegenüber immer mehr. An den 2 Tagen in der Woche, an denen ich zu meinem Dad ging, ging es mir dagegen recht gut. Ich verstand es nicht: Meine Mutter konnte nichts für die Trennung, aber mit ihr stritt ich mich und bei ihr fühlte ich mich nicht mehr wohl. Mit meinem Vater dagegen hatte ich ein gutes Verhältnis. Wir stritten sehr selten. Dann kam dazu, dass meine Mom mir viel erzählte, was mein Vater angeblich falsch macht. Ich stand zwischen den Fronten und wollte das gar nicht… Meine Mutter entschied sich deshalb wieder, in unsere alte Heimat, wo wir vorher 10 Jahre gelebt hatten, zu ziehen. Dort hatte sie ihren Job, ihre Freunde und nur dort fühlte sie sich wohl. Ich respektierte das, zeigte es ihr jedoch nie wirklich. Ich musste mich zwischen alter und neuer Heimat entscheiden, zwischen Mutter und Vater. Ich weiß nicht, wie lange ich mich mit dieser Entscheidung herumgeschlagen habe. Dazu kamen auch die ständigen Streits mit meiner Mom. Eigentlich war mir klar, dass ich bei meinem Vater leben wollte, nur ich hatte Angst, es meiner Mutter zu sagen. Ich hatte ein schlechtes Gewissen, wollte sie nicht auch noch im Stich lassen. Aber ich wusste: bei meinem Vater würde es mir besser gehen.

Ihr tat meine Entscheidung natürlich sehr weh. Sie glaubte sehr lange, dass ich ihr es übel nehme, dass sie wegzog. Ich konnte immer nur beteuern, dass das nicht stimmt, dass sie die richtige Entscheidung getroffen hatte. Doch das hat sie mir nie wirklich geglaubt.

Ich bin dann alle 14 Tage am Wochenende zu ihr gefahren. Doch selbst an diesen 2 Tagen haben sich die Streitereien nur wiederholt. Bis wir einem Punkt waren, an dem wir wirklich nicht mehr weiterkamen. In der Zwischenzeit lernte mein Vater einen Mann kennen und lieben. Er wohnt weit weg, sodass sie sich nur am Wochenende sehen können. Mit meiner Mutter hatte ich eine Zeit lang Funkstille, bis wir uns beide wieder aufgerafft hatten und ein klärendes Gespräch geführt haben. Ich denke das hat viel verändert.Unser Verhältnis ist zwar noch schwierig, aber es hat sich entspannt.

Nun bin ich in einem halben Jahr mit der Schule fertig und muss wieder eine Entscheidung treffen:

Mein Dad sucht nach einem Job bei seinem Freund, d.h. er wird dort hinziehen. Entweder ich gehe mit ihm in eine fremde Stadt oder ich ziehe zu meiner Mutter. Wieder muss ich mich zwischen meinen Eltern entscheiden. Entscheiden, wo ich glücklicher wäre.